Mittwoch, 11. August 2010

„ohne Plan nach Tadschikistan“ oder „eine Nacht im Knast“

Ersteinmal vorweggenommen: Wir haben mit unserem Blogtitel nicht zu viel versprochen. Tatsächlich "Ohne Plan..." aber leider auch, oder gerade deshalb, mit Konsequenzen.
Nachdem wir das abgefuckteste Hotel unserer Reise in Tashkent hinter uns gelassen haben, wird noch Plov und alles andere was die benachbarte Milchbar hergibt, getestet und tatsächlich: das Essen ist hervorragend, preiswert und wir spielen schon mit dem Gedanken, länger in Tashkent zu bleiben und uns die Bäuche vollzuschlagen. Am Ende machen wir uns trotz aller Gedankenspielereien auf den Weg nach Tadschikistan.Es geht nach Süden und der VW-Bus macht komische Geräusche. Also schnell noch am Straßenrand ein paar Schrauben festgezurrt, ein Ölleck abgedichtet und ein paar Schäden an der unteren Motorabdeckung ausgebeult. Das Geräusch bleibt (kaputtes Radlager?). Der Bus schlägt sich trotzdem wacker und während der Tag langsam zur neige geht, fahre ich bei der dritten Polizeikontrolle dann tatsächlich zu schnell. Der Polizist möchte 60$ haben. Ich bin nicht bereit die Dollar zu zahlen, lasse mich aber dummerweise auf Verhandlungen ein – ein Fehler. Es endet dann damit, dass ich dem Polizisten wutentbrannt unsere letzten usbekischen Sum im Gegenwert 5$ auf den Tisch knalle und mich weigere ihm die Hand zu geben. Mit schlechtem Gefühl im Bauch und der Erwartung endlich aus Usbekistan mit seinen korrupten Polizisten herauszukommen und an normalen Tankstellen - nicht auf dem Schwarzmarkt - tanken zu können, geht es weiter ohne Geld aber hoffnungsvoll im roten Licht des Sonnenunterganges in Richtung tadschikischer Grenze.Die Karte zeigt eine dicke Hauptstraße über die Grenze nach Tadschikistan. Nach mehrmaligem Nachfragen stellt sich heraus, dass es an dieser Stelle keinen Grenzübergang gibt. Aber 80km weiter nach Osten soll die Grenze passierbar sein. Die Karte zeigt dort auch eine große Straße nach Tadschikistan auf. (An dieser Stelle seien alle Zentralasienreisende vor der (reißfesten!) Karte des Reise-Know-How Verlages gewarnt. Während die Fehler, die sich immer wieder in die Karten dieses Verlages einschleichen woanders nicht so schwer wiegen, sind falsche Kilometerangaben, Grenz- und Straßenverläufe in Zentralasien fatal und können fatale Folgen haben! -So auch bei uns:)
In der Dämmerung machen wir uns also auf den Weg dorthin. Dreimal verfahren wir uns auf irgendwelche Äcker, bis wir (endlich) an eine Polizeikontrolle heranfahren. Die Polizisten erklären uns den Weg zur Grenze und wir folgen ihren Beschreibungen bis ein paar Betonsperren auf der Straße liegen. Schnell drumherum gefahren, dass kann ja nur der Grenzposten sein. Im Stockdunkeln rollen wir auf eine Brücke an deren Ende dann tatsächlich ein Militärposten steht. Je näher wir dem Posten kommen, desto klarer wird uns, dass hier nicht der Grenzübergang sein wird. Zumindest können wir den Posten nach dem richtigen Grenzübertrittspunkt fragen. Ein einziger 19jähriger Soldat kommt uns mit dummen Gesicht entgegen. Wir fragen nach dem Weg. Er gibt uns eigentlich nur zu verstehen, dass zwanzig Meter weiter Tadschikistan ist und dass wir nicht wegfahren dürfen bis der Kommandant vorbeikommt. Der wird schnell per Funk verständigt. Bis er es aber geschafft hat sich von der nächsten Kneipe zu uns zu bewegen, vergeht eine ziemlich lange Zeit. Der Noodledude hält derweil ein Nickerchen, während ich versuche über das alt bewährte Mittel der gemeinsamen Zigarette mit dem Grenzsoldaten ins Gespräch zu kommen... -Er raucht nicht und während ich an meiner Zigarette ziehe und ab und zu ein paar Blicke hinunter in das dunkle Wasser des Syr Darya werfe, kommt kein Gespräch zustande. Er ist eher unentschlossen, wie er uns einschätzen soll. Westliche Spione, Drogenschmuggler? Was machen wir um diese Zeit an seinem Kontrollposten? Man kann direkt zuschauen wie sein Gehirn arbeitet. Die ganzen Fragen scheinen ihn wahnsinnig zu beschäftigen, während mich eher die Frage beschäftigt, ob seine Kalaschnikow geladen ist und zu welchem Schluss er wohl kommt. So steht dann nachts ein VW-Bus mit Berliner Kennzeichen auf einer Brücke über dem Syr Darya, daneben ein verwirrter Grenzsoldat und der rauchende Fahrer, währende der Noodledude anfängt auf dem Beifahrersitz zu schnarchen.
So lange bis der Kommandant mit Helm auf dem Fahrrad angerollt kommt. 

von irgendwo her springt noch ein anderer, dritter Soldat aus den Büschen. So stehen wir dann da. Keiner der Soldaten kann Englisch und unser Russisch ist auch stark begrenzt. Wir machen klar, warum wir uns um diese Urzeit an diesem Ort aufhalten. Sie machen uns klar, dass wir uns an diesem Ort nicht aufhalten dürfen. An diesem Punkt kommt dann die Kommunikation immer wieder zum erliegen. Wie später ND sagt, war das der Moment an dem sich alles noch ohne Komplikationen klären hätte können. Hätte der Kommandant die Eier gehabt, uns, aufgrund der Offensichtlichkeit, dass wir keine Wodka-Martini trinkenden 00-Agenten sind, in diesem Moment einfach gehen zu lassen, hätte sich die ganze Angelegenheit für beide Seiten in Wohlgefallen auflösen können. Das wäre sicherlich für beide Seiten auch das Beste gewesen. Aber dumm-dämliche Polizisten und Militärs sind in Zentralasien die Regel und die Courage etwas selber zu entscheiden hat eh niemand. Also geht es los zur Kaserne. Wobei wir natürlich zwei voll bewaffnete Soldaten mit dorthin kutschieren müssen. In der Kaserne versucht dann der General, oder wer er auch immer war, umringt von 10 Soldaten einen Freund anzurufen, der übersetzen soll. Leider ist das örtliche Mobilfunknetz nicht in der Lage ein Gespräch von länger als 30 Sekunden zu ermöglichen. So wird alles sehr müßig und ich überlasse die Kommunikation ND. Es werden Protokolle geschrieben, die von uns unterschrieben werden sollen. Der Noodledude weigert sich. Während die Nacht voranschreitet, werden wir zur örtlichen Militz weitergereicht.
Inzwischen fahren nicht mehr nur zwei sondern gleich drei bis vier Soldaten bei uns mit. Die Gewehre passen, zumindest gefühlt, kaum mehr mit in den Bus. Bei der Miliz müssen wir erst einmal um eine Straßensperre herumfahren und dann direkt auf den sowjetisch beleuchteten und ummauerten Hof. Wir werden in ein Verhörzimmer oder auch nur Büro von dem diensthabenden Polizeischergen geführt und ich erinnere mich sogleich an meine von diversen Filmen geprägten Vorstellungen von Verhören in der ehemaligen DDR. ND wird noch einmal darauf hingewiesen, dass er ein Protokoll zu unterschreiben hat. Weiterhin weigert er sich beharrlich. Die Stimmung wird ungemütlich und uns wird deutlich, dass wir heute Abend nicht mehr ein schönes Plätzchen zum übernachten suchen werden. Wir werden also festgehalten und als uns ein Schlafplätzchen in der Zelle angeboten wird, bestehen wir darauf im Auto zu übernachten, auf keinen Fall in der Zelle. Also runter in den abgesperrten Hof. Nicht aber ins Bett, ohne das der Bus noch inspiziert wird. Während der diensthabende Fetti sich gerade auf dem Fahrersitz niederlässt, und Stück für Stück den Bus durchsucht, alles betatscht und aufmacht, stehen wir ziemlich hilflos daneben. Es geht eigentlich nur darum uns zu erniedrigen und ich bin in diesem Moment das erste Mal wirklich froh, dass wir nicht mit einer Frau zusammen reisen. Seine Hände finden das Netbook. Sogleich will er Fotos aus Deutschland sehen. Er hat die Grenze unserer Privatsphäre überschritten. Das ist der Moment wo wir einstimmig genau diese Grenze ziehen und bestimmt mitteilen, dass das nicht drin ist. Der Milizionär ist überrascht, wollte aber anscheinend wirklich nur ausprobieren, wie weit er gehen kann. Vermutlich hat er noch garnichtmal ein großes Interesse daran Fotos anzuschauen. Es ging ihm mehr um unsere Erniedrigung. Sein Macht- und Kompetenzbereich scheint aber so klein zu sein, dass er es nicht wagt einen Schritt weiter zu gehen. Langsam zieht er ab.
Mit gestelltem Wecker und dem Versprechen, dass morgen der Milizchef um neun unseren Fall bearbeiten wird und wir dann weiterfahren dürfen, schlafen wir beunruhigt im Auto auf dem abgesperrten Hof des Knastes ein.
Aber immerhin: Dem Titel unseres Blogs sind wir gerecht geworden: "Ohne Plan nach Tadschikistan".

Dienstag, 10. August 2010

Tashkent: Kein Hotel, aber Umsonst

Unsere Hauptbeschäftigung in Tashkent ist das Suchen eines geeigneten Schlafplatzes. Kein Hotel will uns so richtig, weil irgendwelche Gesetze verschärft worden sind (Wahrscheinlich zum Geburtstag des Präsidenten). Die Hotels, die uns wollen sind zu teuer. Irgendwann beschließen wir vor einem kleinen, gerade von der Polizei geschlossenen Hotel zu schlafen. Der Besitzer sagt, dass wir wie CIA-Terroristen aussehen und bestimmt da sind um den Präsidenten um die Ecke zu bringen. Wir bejahen und werden prompt zu einem Wodka, einem abendlichen Festmahl und einer Menge Schimpftiraden auf den Präsidenten eingeladen. Als wir wieder auf die Straße verschwinden wollen, lässt uns der inzwischen schon gut angetrunkene Hotelbesitzer nicht heraus und besteht darauf unserer Gastgeber zu sein. Mit schlechtem Gewissen schlafen wir bei ihm im Hotel und genießen den Luxus von fließendem Wasser. Am nächsten Morgen stehlen wir uns mal wieder von der großen Gastfreundschaft beschämt aus dem Hotel hinaus.
Ansonsten hat Tashkent angeblich „die beste Nachtclubszene seit Baku“. So genau konnten wir das zeitbedingt nicht ergründen. Uns bereitet eher das deutsche Konsulat Sorgen. Nachdem man mich gründlich durchsucht hat, und ich mein Handy abgeben musste, weigern sich die Mitarbeiter mir auf meinem Carnet de Passage zu bestätigen, dass der VW-Bus, der vor der Tür steht in Usbekistan ist. Ich soll mich an den Usbekischen Zoll wenden... Na toll, diese Erfahrung und eine weitere mit deutschen Behörden im Ausland lehrt uns, dass die Botschaft der letzte Ort ist, an den man sich wenden sollte.
Immerhin treffen wir die jungen Tashkenter Künstler wieder, mit denen wir schon in Bukhara Spaß hatten und verbringen eine gute Zeit Bier trinkend vor einem riesigen weißen Marmorpalast im Zentrum. Da hier tatsächlich überhaupt nichts los ist, werden wir auch in Ruhe gelassen. Wir erfahren, dass dieser überdimensionierte Palast ohne Inhalt von Deutschen Firmen gebaut wurde. Wobei ich der Firma nur wünschen kann, dass sie pleite geht. Wer so etwas so hässliches und teures in eine Diktatur setzt hat es einfach nicht anders verdient.
Bemerkenswert ist übrigens das gute preiswerte Essen und die tollen Salate, die man auf dem großen Markt bekommen kann...

Montag, 9. August 2010

Samarkandt und der Präsident

Nachdem wir in Samarkandt ein Hostel gefunden haben, bricht es über uns herein. All die Backpacker, Mongol-Ralley-Kids und Fahrradfahrer. Der Lonely Planet hat uns wieder. Wobei die Klientel in Zentralasien vermutlich trotz alledem ein bisschen abgebrühter als die typischen Lonelyplanet-User zu sein scheint. Es gibt zumindest keine Gespräche über tolle Surfspots und den schönen Ethnokitsch von der Touristenfalle gegenüber. Der Fokus scheint auch mehr auf Zentralasien, Russland, Middle East, Afrika und Indien zu liegen, als auf Thailand, Australien und Südamerika. Dennoch bin ich froh Samarkandt wieder zu verlassen, auch weil man inzwischen so overdosed ist, was Architektur entlang der Seidenstraße angeht. Anfangs sieht man Orte, die man sich so beeindruckend niemals vorgestellt hat. Orte, die, würde man sie gemalt sehen, gut als 1001 Nacht Phantasie eines Künstlers durchgehen könnten. Aber irgendwann hat man es dann doch gecheckt. Es gibt diese Orte. Schon verschwindet das kindliche Erstaunen und weicht schließlich ganz dem sachlichen Interesse an Architekturstylen, regionalen Unterschieden und dieser oder jener kleinen Besonderheit. Der Zauber aber verfliegt.


Da sich der „Präsident“ von Usbekistan in Samarkandt angekündigt hat und deshalb sämtliche Bewohner der Stadt dabei sind das Gras aus den Ritzen der Straße zu rupfen, Fassaden zu streichen und kaputte Häuser einfach mit weißen Zäunen zu überdecken (auf der gesamten Strecke bis Tashkent) entschließen wir uns dem Präsidenten entgegen nach Tashkent zu fahren. Nicht aber ohne vorher den Museumswächter der Madressa zu bestechen und den Sonnenaufgang auf dem Minarett über der Stadt zu erleben.


Samstag, 7. August 2010

Khiva und kein Diesel

Die einzige Raffinerie von Usbekistan ist ausgefallen. Es gibt es im ganzen Land keinen Diesel mehr. Da wir uns entschieden haben noch weiter in die ebenfalls ehemalig prächtige Seidenstraßenstadt Khiva zu fahren, verschwenden wir einen Tag um auf dem Schwarzmarkt Diesel zu bekommen. Selbst die Polizei weiß keinen Ausweg, wo wir welchen bekommen. Wir treffen Bulgarische LKW Fahrer, die noch mit Diesel aus Bulgarien unterwegs sind und auch nichts für uns übrig haben. Am Ende finden wir zwei Dieselverschmierte Männer mit einem großen Ölfass und kaufen bei Ihnen 50 Liter. Der Diesel sieht eher wie Spülwasser aus (sehr dünnflüssig und grün). Um ein für den Motor gesundes Mittelmaß zu finden mischen wir ihn mit übriggebliebenem Diesel aus dem Iran (sehr dickflüssig und gelb). So betankt fahren wir mal wieder zum Abend in die Wüste hinein, vorbei an Schlangen von Autos, die alle vor der Tankstelle auf Kraftstoff warten und das teilweise schon seit mehreren Tagen.
Eine Schwierigkeit beim nächtlichen Fahren in der Wüste besteht darin, rechtzeitig zu bremsen und abzublenden bevor die Erdmännchen, die einen, stehend, mit Kopf in Stoßstangenhöhe, so niedlich anschauen, mit einem lauten „klonk“ aus dem Sichtfeld verschwinden.
Bis auf ein paar „Checkpoints“ gibt es keine weiteren Schwierigkeiten und wir sind im Morgengrauen in Khiva.
Im direkten Vergleich zum durchaus lebendigen Bukhara, erscheint Khiva wie ein großes zu Sowjetzeiten angelegtes Freilichtmuseum mit folkloristischen Einlagen der Bewohner aus der Umgebung.
Schöne Gebäude gibt’s trotzdem. Zum Beispiel das angefangene Minarett, das vom 450km entfernten Bukhara sichtbar sein sollte, aber für dessen Fertigstellung sich nach dem Tod des Emirs von Khiva kein weiterer Verrückter finden wollte...


Am Abend geht’s zurück durch die Wüste nach Samarkandt und langsam fangen die ständigen „Checkpoints“ an zu nerven. Manchmal ist es nur Neugier, manchmal aber auch einfach die totale Einsteckmentalität. Scheinbar haben hier schon diverse Touristen Geld gelassen und sich als einträgliche nicht versiegende Quelle herausgestellt. Anders kann ich mir nicht erklären, warum gefühlt jeder zweite Polizist zwischen Bukhara und Bishkek von uns bestochen werden wollte. Das sie bei uns da an der falschen Adresse waren, wurde nach jedem Checkpoint immer deutlicher. Im Gegensatz zu den Kids der „Mongol-Ralley“ haben wir einfach nicht die Knete und auch nicht die Lust halb Zentralasien zu bestechen. Dafür im Zweifelsfall genug Zeit und Zigaretten um die Situation auszusitzen, was zu diversen im Nachhinein absurden Situationen geführt hat.

Mittwoch, 4. August 2010

Schmuggelware und eine Perle der Seidenstraße

Das passieren der turkmenisch-usbekischen Grenze verläuft problemlos nachdem wir bereit sind den Grenzbeamten aus Usbekistan mit einem originalverpacktem Kühlschrank mit nach Bukhara zu nehmen…
An der Grenze treffen wir noch eine belgische Radfahrerin, die gerade alleine auf dem Weg von Ägypten nach China ist und ganz begeistert vom Nordirak berichtet (siehe Linkliste)...
In Bukhara stoßen wir dann seit mehr als einem Monat wieder auf mehrere andere Touristen. Unter anderem auch ein paar Deutsche Rentner die versuchen nach Indien zu kommen, was sich aber als sehr schwierig gestaltet, da die entsprechende Straße in Pakistan zu einem Stausee geworden ist und man nicht unbedingt durch Belutschistan reisen möchte. (Sie werden es ungefähr ein dreiviertel Jahr später doch wagen und eine wunderbare Zeit in Indien verbringen – Siehe Linkliste) Es ist ziemlich interessant, wie sie die ganze Reise viel gemütlicher als wir angehen und sich ausreichend Zeit für Entspannung, gutes Essen und das Land nehmen. 
Wir lassen uns von ihnen inspirieren, entschleunigen, und der Noodledude bekommt einen neuen Haarschnitt… =;-)


An irgendeinem der Abende, an denen wir durch die Altstadt von Bukhara spazieren, treffen wir ein paar junge Menschen aus Tashkent, die nach Bukhara gekommen sind um auf der Straße zu sitzen und Bier zu trinken, was in Tashkent scheinbar nicht so einfach möglich ist. Hier in Bukhara können sie sich unter die Touristen mischen und werden von der Polizei in Ruhe gelassen. Das dem doch nicht ganz so ist müssen wir eine Stunde später feststellen, als unsere ausgelassene Gruppe aufgefordert wird das Feld zu verlassen und ins Bett zu gehen. Schon erstaunlich wie ein Polizeistaat beinahe elterlich um seine Bürger kümmert und so dafür sorgt, dass sie rechtzeitig ins Bett gehen, damit sie am nächsten Tag gut ausgeschlafen sind.... :-(

Voll verfahrn’ in Turkmenistan

Wir suchen die Grenze nach Usbekistan, fragen dort, wo noch Menschen sind und fahren später unbeschildert durch die Wüste. Am Horizont flackern unzählige Gasflammen durch die ansonsten stockdunkle Nacht. Ein Schlagbaum bringt uns zum stehen. Zwei Sicherheitsmänner springen aus ihrem kleinen Häuschen und sprechen uns an. Auf Turkmenisch, auf Russisch. Wir versuchen klarzumachen woher (Deutschland) wir kommen und wohin (Usbekistan) wir wollen. Grenze - „Granitza“ oder so auf Russisch. Als sie verstehen, dass wir aus Deutschland kommen, zückt der eine sein Handy und gibt es mir in die Hand. Am anderen Ende eine deutsch sprechende Turkmenin. Seine Tochter. Sie kann mir den Weg zurück zur Grenzstation beschreiben und auch sonst ist es ein angenehmes Telefonat. Obwohl ich sie in dieser Nacht nicht persönlich getroffen habe, werde ich sie viele Monate später auf einem anderen Kontinent wiedersehen. Die Sicherheitsmänner geben uns noch Bonbons und von dem superleckeren turkmenischen Brot bevor wir zum Grenzübergang aufbrechen, vor dem wir uns zum Schlafen parkieren.

Montag, 2. August 2010

Transit

Konsulat von Turkmenistan in Berlin

Irgendwo versteckt zwischen den Villen hinterm Theodor-Heuss-Platz liegt die Botschaft von Turkmenistan. Es ist immer wieder erstaunlich. Nur die wenigsten Botschaften in Berlin lassen vom äußeren Eindruck des Gebäudes auf das Land schließen. Die Botschaft von Turkmenistan gehört nicht dazu. Das Konsulat befindet sich im Tiefparterre und hat definitiv keinen repräsentativen Charakter. Man fragt uns ob wir einen Aufschlag zahlen wollen, damit das Visum schneller bearbeitet wird (vermutlich werden die Unterlagen dann per E-Mail anstatt per Post gesendet…). Das Visum wird nämlich erst nach Rücksprache mit wem auch immer in Ashgabat ausgestellt. Ich weiß leider nicht mehr, ob auch ein Motivationsschreiben zu den benötigten Unterlagen gehört, wie beispielsweise in Tadjikistan. Aber uns wird ziemlich eindeutig klar gemacht, dass wir, nachdem wir uns erst für die Billigvariante entschieden hatten, wenn wir unseren Pass irgendwann vor Abreise noch mal wiedersehen wollen, einen „Expressaufschlag“ zu zahlen haben. Die Bearbeitung dauert dann trotzdem drei Wochen. Das Visum gilt 5 Tage und ist auf bestimmte Daten, Strecke und Grenzübergänge festgelegt. Etwas anderes als ein Transitvisum scheint eh ohne örtlichen „Touristenführer“ nicht möglich zu sein.

Ashgabat

Mit diesem Transitvisum geht es jetzt also vom Ashgabat nach Merw. Im Gegensatz zu der handgefegten und mamornen Hauptstadt ist die Straße Richtung Usbekistan und Afghanistan eine einzige Schlaglochpiste.
Eingereiht zwischen LKW’s versuchen wir über duzende Umleitungen und kleinere Straßen und Brücken den Weg nach Mary nahe der großen Seidenstraßenstadt Merw zu finden. Es ist schon erstaunlich wie groß der Unterschied zwischen Stadt und Land hier ist.
Es gibt so gut wie keine Straßenschilder und wir halten uns an die vorausfahrenden LKW’s aus der Türkei und dem Iran. Interessant wie vertraut uns inzwischen diese Länder im Gegensatz zu Turkmenistan erscheinen. Da wir glauben schon an Mary vorbeigefahren zu sein und nicht vorhatten weiter nach Herat zu fahren, scheren wir aus der LKW Kolonne aus und versuchen das Zentrum zu finden. In der Stadt finden wir weder Personen noch irgendeins der von uns ausgewählten Hotels. Also parken wir in dieser dunklen Stadt mit duzenden anderen LKW’s auf einem abgefuckten Parkplatz für den wir am nächsten Morgen sogar noch bezahlen müssen.

Von der 2500 Jahre alten sehr bedeutenden Oasenstadt Merw ist nördlich von Mary kaum noch etwas zu sehen. Das einst prächtige Handelszentrum wurde bei diversen Eroberungen durch Mongolen, Perser und den Usbekischen Nationalheld „Timur“ geschliffen und zur Bedeutungslosgkeit verdammt. Auch uns gelingt es nicht den Zauber vergangener Zeiten in den Ruinen des UNESCO Weltkulturerbes zu entdecken.
Eher angetan sind wir von ein paar realen Menschen. Jugendliche, die auf dem Feld arbeiten und gerne ein Foto mit uns machen wollen.
Ein Bäcker, der uns ein Brot schenkt. Ein Melonenverkäufer und die Bedienung in einem kleiner Klitsche für leckere Fleischspieße. Alle sind erstaunlich distanziert, freundlich und wecken durch ihr stolzes Auftreten mein Interesse. 
Leider bleibt aufgrund unserer Visa keine Zeit sich weiter mit Land und Leuten zu beschäftigen und wir cruisen in die angenehme Nacht auf guter Straße in die Wüste hinein, immer geradeaus ohne ein einziges Licht außer der Sterne nach Turkmenabat. In dieser einzigartigen Dunkelheit werden die Grenzen der Phantasie verschoben und man fängt an sich wie ein Kind vorzustellen, was man in dieser Dunkelheit alles nicht sehen kann. In meiner Erinnerung ist die Wüste in Turkmenistan demzufolge voller Geheimnisse und Reize.

Nach Durchquerung des nächtlichen Turkmenabat kommen wir an die berüchtigte Pontonbrücke über den Amu Darya. Das die örtlichen Wegelagerer Geld verlangen würden, habe ich nach diversen Warnungen erwartet. Dass sie sich allerdings nur mit Dollar zufrieden geben und noch nicht einmal in ihrer Landeswährung bezahlt werden wollen hat mich schon erstaunt. Leider zeigt sich hier der Fehler an der Grenze nicht hart genug gewesen zu sein und am Ende den schreienden Grenzsoldaten einen Bus mit zehn Sitzplätzen eintragen zu lassen. Weil wir ein solcher Bus sind, werden es gleich 10$ mehr. Jedes Geschimpfe meinerseits verhallt zwischen den unnachgiebigen Gestalten. Am liebsten würde ich die nächste Brücke 20km flussabwärts nehmen. Da der Wegelagerer aber sicherlich auch noch eine Uniform der Miliz im Schrank hängen hat und wir uns über die Konsequenzen bei Verlassen der Transitstrecke nicht ganz im Klaren sind, zahlen wir. Beim nächsten Mal werde ich entweder mit einem alten Golf kommen und wutentbrannt den Schlüssel in den Amu Darya zu werfen um dann zu Fuß die Brücke zu überqueren oder einfach gleich von Anfang an die Transitstrecke missachten und die nördlichere Brücke nehmen.