Samstag, 17. Juli 2010

Esfahan

Als einer der wenigen Male überhaupt wache ich vor MP auf. Im Zelt war es zu heiß und um uns herum hat eh schon das Leben begonnen. Viele der iranischen Camper sind schon abgereist, lagen viele von ihnen doch nur durch eine einfache Decke von Betonboden getrennt unter freiem Himmel... Ich nutze die Zeit, um für das Frühstück einzukaufen (es gibt frische Baguette-Imitate Marke schwabbelig) und Leuten zu helfen, ihr Auto in die Garage zu schieben.
Als alle von uns wach sind, stellen wir einvernehmlich fest, dass wir alle schlecht geschlafen haben und machen uns daher nach dem Frühstück schnell auf den Weg ins Zentrum. MP sitzt am Steuer und kopiert mit beeindruckendem Detaillierungsgrad den Teheraner Fahrstil, während unser Guide Milad sich wieder durchfragt zur Stadtmitte. Selbige besteht im wesentlichen aus dem nach dem Platz des himmlischen Friedens größten Platz der Welt. Dort lässt's sich schlecht parken, weswegen M.P. mit angezogener Handbremse um die engen Kurven eines Parkhauses fahren muss (oder eher will), woraufhin er gleich saftige Kritik an seinem Fahrstil erhält. Aus diesem Grunde geknickt und abgelenkt, verknackst er sich gleich noch mal den Fuß auf erwähntem Platz.
Wir laufen einmal unter den Kolonnaden um den Platz herum. Dort gibt es viele Souvenirläden, die Fliesen, Stoffen u.a. verkaufen. (Ich überlege, ob ich mir einen jener Stempel kaufe, mit denen die Stoffe bedruckt werden.) Es scheint, dass hier während der Saison weit mehr los sein dürfte. 


Denn wir selber begegnen nur vereinzelten Touristen – u.a. einer iranischen Mutter mit Tochter, welche uns eine komisch anguckt. Wir drehen uns um und sie spricht uns auf Deutsch an. Ihre Mutter scheint nichts zu verstehen, aber sie ist aus Göttingen zu Besuch bei Verwandten. Nur kurz quatschen wir, anschließend ärgern MP und ich uns, dass wir nicht offensiver waren, denn sie sah schon sehr hübsch aus. Im Laufe des Tages, aber auch schon durch die ersten Eindrücke, müssen wir feststellen, dass die Esfahanerinnen nahezu durchweg wunderbar aussehen... So kommt MP erneut die Erleuchtung, hier studieren zu wollen.
Bei unserem Rundgang stellen wir fest, dass beide Moscheen und auch der Palast gerade für Besucher geschlossen sind. Da Sima und Milad etwas essen wollen, trennen wir uns. MP und ich laufen über den Basar. Sein Eingang ist mit schönen Wandmalereien verziert.
Wir verlaufen uns natürlich gleich im Gewirr von Gassen, Türen, Hinterhöfen Treppen und Dächern...
Am Ende finden wir uns auf dem Dach eines schönen Kaffeehauses wieder und blicken über den Platz. Esfahan liefert uns wunderbare Eindrücke zwischen weltlicher (Basar) und geistlicher (Moschee) Architektur. Interessant ist die Gruppierung um den zentralen Platz. Die Moschee liegt weitestmöglich dem Basar gegenüber entfernt, während scheinbar als Zwischenebene der Palast des Herrschers an der verbindenden Seite zwischen beiden platziert ist. Es entsteht der Eindruck das die dem Palast gegenüberliegende Herrschermoschee nur zur architektonischen Ausgewogenheit in das Ensemble eingefügt wurde.
Bevor wir die Stadt verlassen, finden wir noch eine Synagoge, in die man uns ausnahmsweise, nachdem ND sein Hebräisch auspackt, hineinlässt und an einem Gottesdienst teilnehmen lässt. Wir bedanken uns und sind durchaus angetan davon, dass wir gerade im Iran eine jüdische Gemeinde gefunden haben, wo doch immer wieder auf anderen Ebenen von Politikern mit dem Feuer der Religionen gespielt wird.

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